Was ist DH?

 Downhill als Wettkampfsport

Im Downhill (kurz „DH“, zu deutsch „Abfahrt“) gilt es – analog dem Skisport – eine abgesperrte, ausschließlich bergab führende Strecke so schnell wie möglich zu fahren. In gröbstem Gelände, gespickt mit natürlichen Hindernissen und bei Geschwindigkeiten bis über 70 km/h muss das Sportgerät zu jeder Sekunde unter voller Kontrolle sein. Die Schwierigkeit besteht darin, den schmalen Grat zwischen maximalem Tempo und geringer Sturzgefahr zu finden. Downhill wird auch als Wettkampfsport ausgeübt. Die UCI organisiert dafür bei Mountain-Bike Weltcups und Mountainbike-Weltmeisterschaften Wettrennen in der Disziplin Downhill Individual (DHI). Begründer des Downhill-Fahrens in professioneller Form ist Thomas Erhart, der 1993 den ersten offiziellen Downhill-Wettbewerb startete.

Die Technik des Downhillbikes

Hohe Geschwindigkeiten und grobes Gelände stellen besondere Anforderungen an die Technik von Downhill-Fahrrädern und beschränken ihren Einsatzbereich auf das Bergabfahren:

  • Stabilität: Alle Bauteile sind primär auf Stabilität ausgelegt. Geringes Gewicht ist zwar wichtig, aber zweitrangig. Das Gewicht eines Downhill-Bikes beträgt etwa 16–21 kg.
  • Federung: Um die starken Bodenunebenheiten vom Fahrer fernzuhalten und die Fahrsicherheit zu erhöhen, besitzen Downhill-Fahrräder in der Regel sowohl vorne an der Fahrradgabel, wie auch am Hinterrad Stoßdämpfer mit großem Federweg um etwa 200 mm. Die Federung ist oftmals vielfältig einstellbar.
  • Bremsen: Es kommen nur vollhydraulische Scheibenbremsen mit einem Bremsscheibendurchmesser um die 200 mm zum Einsatz. Sie gewähren unter allen Witterungsbedingungen eine hohe Bremsleistung.
  • Rahmengeometrie: Flacher Lenkwinkel, tiefe Front sowie ein relativ tiefes Tretlager. Hecklastige Sitzposition für optimalen Schwerpunkt – Downhill-Bikes sind daher zum Bergauffahren wenig geeignet. Das eingesetzte Material ist meist Aluminium; seltener Stahl, Titan und Carbon.
  • Reifen: Sehr großvolumige und stabile Reifen um 26 x 2.5″ verhindern Plattfahren und Beschädigungen durch scharfkantige Steine. Je nach Witterung und Bodenbeschaffenheit kommen unterschiedliche Profile und Gummimischungen zum Einsatz.
  • Cockpit: Breite Lenker zwischen 680 und 800 mm, welche einen „Rise“ (eine Erhöhung) zwischen 0 und 40 mm haben. Als Vorbauten werden vermehrt sogenannte DirectMount-Vorbauten genutzt, welche direkt auf die obere Gabelkrone geschraubt werden, um bei Stürzen ein Verdrehen des Lenkers zu verhindern. Das bedeutet allerdings auch, dass bei heftigen Stürzen Schäden an Gabel, Vorbau oder Lenker entstehen können.
  • Sitzzone: Leichte Rennrad- bzw. Cross-Country-Sättel, welche nicht bis ganz unten versenkt werden.

Schaltung

Im Gegensatz zu Fahrrädern anderer Einsatzzwecke kann beim Downhill-Fahrrad in der Regel nur an der Hinterachse geschaltet werden und die Schaltmöglichkeiten beschränken sich in diesem Fall auf 9 Gänge. Zum Einsatz kommen hierbei kleine Rennrad-Kassetten, da diese leicht sind und trotzdem die für Downhill nötige Ritzelbandbreite bieten. Die Schaltwerke sind sogenannte Short-Cage-Schaltwerke mit sehr kurzem Käfig, da an den Kurbeln nur ein einzelnes Kettenblatt, meistens mit 36 bis 40 Zähnen, montiert wird. Das macht die Montage einer Kettenführung erforderlich.

Teilweise werden auch hochwertige Nabenschaltungen (etwa die Rohloff Speedhub) verbaut, die bei manchen Modellen nicht ins Hinterrad, sondern ins Zentrum des Rahmens eingebaut werden. Es existieren auch Konstruktionen mit Schaltboxen im Zentrum des Rahmens, in denen Ritzel-Kettenkombinationen verbaut werden (vgl. z. B. die Downhill-Fahrräder von Nicolai Maschinenbau, Troeger Engineering / Tollwut und SRAM Truvativ Hammerschmidt Getriebekurbel).

Die Seilbahn als Beförderungsmittel

Aufgrund der oben genannten Anforderungen sind Downhill-Räder zum Bergauffahren ungeeignet. Meist wird deswegen der Aufstieg mittels motorisierter Hilfsmittel wie Autos oder Seilbahnen bewältigt. Immer mehr Berggebiete rüsten ihre Bahnen mit entsprechenden Vorrichtungen für Downhill-Bikes aus.

 

Die Fahrtechnik

Das Gelände bietet die vielfältigsten Anforderungen: Bodenwellen, lose Steine, glatte und diagonal zur Fahrtrichtung verlaufende Wurzeln, hohe Stufen, weite Sprünge, starke Schläge, fester und loser Untergrund. Je schneller die Fahrt, umso aktiver muss der Fahrer bei jedem Hindernis mit entsprechender und ausgefeilter Technik reagieren. Nur ein großer, über Jahre erlernter, Erfahrungsschatz bewahrt den Fahrer vor unangenehmen Überraschungen.

Körperliche Belastungen

Pulsverlauf während eines Downhills

Eine schnelle und sichere Fahrt setzt eine sehr gute körperliche Fitness voraus. Es werden durch das Sportgerät diverse Kräfte auf den Fahrer ausgeübt, bei der Dämpfung werden kurzzeitig viele Muskeln beansprucht:

  • Kraft: Es wirken hohe physikalische Belastungen in Form von Stößen und Beschleunigungen auf den Fahrer.
  • Koordination, Feinmotorik und Reaktionsvermögen: Alle Aktionen und Impulse des Fahrers müssen innerhalb von Sekundenbruchteilen an das Sportgerät weitergeleitet werden und aufeinander abgestimmt sein, damit das Fahrrad die richtige Bewegung zur richtigen Zeit am richtigen Ort mitmacht und somit eine schnelle Fahrt überhaupt möglich wird.
  • Stehvermögen: Oben genannte Belastungen müssen über einen Zeitraum bis zu 20 Minuten konstant aufrecht erhalten bleiben. Bei wiederholten Fahrten muss diese Leistung ebenfalls vollbracht werden. Ein Nachlassen der Kraft kann Stürze herbeiführen.
  • Schnellkraft: Im Renneinsatz muss nach Kurven stark beschleunigt werden.
  • Mentale Fitness: Nicht Angst, aber Respekt und ein gesundes Maß an Selbsteinschätzung braucht der Fahrer, um sich nicht in Gefahr zu begeben. Mentale Stärke ist notwendig, um schwierige Passagen einer Strecke fehlerfrei zu meistern; eine kleine mentale Unsicherheit kann zum Sturz führen, da der Körper blockiert und die geforderten feinmotorischen Bewegungen nicht mehr ausführen kann.
  • Generelle Fitness: Bei Abfahrten, bei denen nicht zusätzlich getreten wird, kann der Herzschlag schnell die anaerobe Schwelle erreichen. Wird zusätzlich noch getreten, wird oft derMaximalpuls erreicht. Bei dieser Belastung muss der Fahrer dennoch locker bleiben und sich voll der Fahrtechnik widmen.

Zusammenfassend werden schnelle, kurze Reaktionen auf äußere Einwirkungen erforderlich.

Die Schutzausrüstung

Ohne Schutzausrüstung würde sich der Fahrer im Gelände unnötigen Gefahren aussetzen. Dank Protektoren gehen kleine Stürze meist glimpflich aus, da diese gegen leichte Prellungen und offene Wunden schützen . Frakturen, Bänderrisse und andere schwere Verletzungen kann aber auch eine gute Schutzausrüstung nicht immer verhindern, sie sollte daher kein Grund sein, um ein höheres Risiko einzugehen.

Eine komplette Schutzausrüstung besteht aus Integralhelm, Nackenstütze, Oberkörperpanzer, verstärkten Handschuhen, Handgelenk-, Ellbogen- und Knie-Schienbeinschonern.

An Rennen ist eine komplette Schutzausrüstung in der Regel Pflicht.

Die Gefahren

Downhill ist nicht grundsätzlich ein gefährlicher Sport. Entgegen dem Straßenrennsport, wo andere Verkehrsteilnehmer ein häufiger Grund für Unfälle sind, ist der Biker für sein Tun selbst verantwortlich. Der Downhiller ist gut gepanzert und steckt selbst grobe Stürze bestenfalls ohne eine Schürfung weg, Verletzungen sind aber trotzdem nicht selten. Die Downhill-Bikes verzeihen viele Fahrfehler, bei denen man mit einem weniger spezialisierten Bike gestürzt wäre. Gefährlich kann es werden, wenn unerfahrene Fahrer sich überschätzen oder Unvorhergesehenes eintritt: Materialversagen, ein nicht markierter Draht über dem Weg oder Wanderer auf abgesperrten Strecken. Die größte Verletzungsgefahr ist jedoch der Sturz auf das Genick, denn dieses liegt direkt zwischen Helm und Rückenprotektor und ist daher ungeschützt.Inzwischen gibt es jedoch sogenannte Leatt Brace Nackenstützen die diesen Bereich schützen.

Quelle: Wikipedia